Kräutergarten
Der Kräutergarten befindet sich im Burginnenhof und erstreckt sich längs der rekonstruierten Burghofmauer. Aus Platzgründen wurde auf eine streng geometrische Anordnung in Beeten, die historisch korrekt wäre, verzichtet.
Bereits im Mittelalter wurde zwischen weißer und schwarzer Magie unterschieden. Unterscheidend ist weniger die Methode als die Zielsetzung des Zauberns. Weiße Magie soll (teils als Abwehrzauber) dem Nutzen der Gruppe oder einzelner Personen dienen. Im sozialen Kontext wird weiße Magie als innerhalb der Gruppe gestaltetes Handeln gesehen. Schwarze Magie gilt dagegen als antisozial. Schadenszauber richtete sich auf die Beseitigung von Hindernissen oder Erlangung von Vorteilen durch Schädigung anderer; Liebeszauber sollte die geliebte Person geneigt machen.
Im Ausstellungsbereich Kräutergarten wachsen Wildkräuter neben Pflanzen, die bereits in den Klostergärten des Mittelalters zu finden waren und ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammen.
Zu jeder Gruppe sind im Folgenden die z.Zt. vorhandenen Pflanzen aufgeführt und eine Pflanze als Beispiel genauer beschrieben.
HexenflugkräuterBilsenkraut, Stechapfel, Blauer Eisenhut, Schlafmohn
Bilsenkraut (Hyoscyamus niger):
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Das Bilsenkraut ist eine der ältesten Gift- und Zauberpflanzen und war häufig Bestandteil der sogenannten "Hexensalben". Die während der akuten Vergiftung erfolgten Halluzinationen (Gefühl des Fliegens, Verwandlung in Tiergestalt) mögen als tatsächlich erlebt geglaubt worden sein.
Die zu den Nachtschattengewächsen (Solanazeen) gehörige, stark narkotisch wirkende, widrig riechende Giftpflanze wächst verstreut auf Schutthalden und an Mauern und Wegrändern.
Aus der sowohl ein- als auch zweijährigen, ästigen Wurzel wächst ein 20 bis 80 cm hoher Stengel. Der Stengel und die Blätter sind mit klebrigen Drüsenhaaren besetzt. Die einzelnen, in den Blattachseln fest sitzenden Blüten bilden eine lange einseitige Ähre. Die glockenförmige, fünflappige, schmutziggelbe Blütenkrone ist mit dunkelvioletten Adern netzförmig durchzogen.
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HebammenkräuterPetersilie, Frauenmantel, Wermut, Christrose, Arnika, Herbstzeitlose, Johanniskraut, Hirtentäschel
Petersilie (Petroselinum crispum):
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Die heute in unserer Heimat wohl bekannteste und gebräuchlichste Gewürzpflanze besaß sowohl in der Volksmedizin als auch im Aberglauben ein breites Anwendungsspektrum. Sie galt wegen ihrer durchblutungsfördernden Wirkung als Aphrodisiakum, wurde aber auch als Abtreibungsmittel eingesetzt. Straßen in denen die "leichten Mädchen" ihrem Gewerbe nachgingen, hießen früher Petersiliengasse.
In vielen Gegenden gab man den Kühen das Kraut, um den Einfluss der Hexen unwirksam zu machen.
Die zweijährige Pflanze stammt aus Südeuropa und gehört zur Familie der Doldengewächse. Die dunkelgrünen Blätter sind doppelt bis dreifach gefiedert, bei manchen Sorten auch stark gekräuselt. Erst im zweiten Jahr entwickeln sich die kleinen grünlichgelben Blüten, die in lang gestielten Dolden stehen.
Die Petersilie riecht stark würzig und ist sehr vitaminreich.
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Heil- und KüchenkräuterBeinwell, Mädesüß, Spitzwegerich, Käsepappel, Marienblatt, Lavendel, Meerrettich, Bohnenkraut, Sauerampfer, Borretsch, Roter Sonnenhut, Eberraute, Herzgespann, Engelwurz, Goldrute, Kümmel, Pfingstrose, Ringelblume, Walderdbeere, Roter Fingerhut, Pfefferminze, Katzenminze, Pimpinelle
Ringelblume (Calendula officinalis):
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Die Ringelblume zählt zu den Pflanzen, die ihre Blüten am frühen Morgen öffnen und zum Tagesausklang wieder schließen. Auf diese Eigenschaft ist ihr wissenschaftlicher Name "Calendula" zurückzuführen, welcher "kleiner Kalender" bedeutet.
Bekannt ist die entzündungshemmende Wirkung der Blüten, die außerdem die Wundheilung fördern. Wegen ihrer gelbroten Farbe wurde der Tee oft gegen Gelbsucht, aber auch gegen Schweinerotlauf eingesetzt. Ähnlich der Margerite dienten die Ringelblumenblüten jungen Mädchen als Liebesorakel, wohingegen die Burschen stets eine Wurzel dieser Pflanze in einem violettseidenen Tüchlein bei sich tragen sollten, um sich bei den Mädchen beliebt zu machen.
Die Ringelblume ist ein Korbblütler mit wechselständigen, lanzettlichen Blättern und großen goldgelben bis orangefarbigen Blütenköpfen. Die inneren Früchte sind ringförmig zusammengerollt. Der Pflanze entströmt ein strengwürziger Duft. Bis in die Mitte des 20. Jh. diente sie als Grab- und Leichenschmuck, wobei der strenge Geruch böse Geister abwehren sollte.
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Pflanzen der SignaturenlehreMaiglöckchen, Lungenkraut, Löwenzahn, Schöllkraut
Maiglöckchen (Convallaria majalis):
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Die in lichten Laubwäldern vorkommende Frühlingsblume steht unter Naturschutz und wurde bereits von Hildegard von Bingen als Mittel gegen Hautleiden und Epilepsie empfohlen. Als Frühlingsbote verhieß sie einerseits Glück, sollte aber auch Unheil ankündigen, wenn die Blütenkronen innen rote Streifen aufwiesen. Das Maiglöckchen wurde früher oft als Mittel gegen den Schlagfluss eingesetzt. Nach damaliger Ansicht fiel bei dieser Krankheit ein Tropfen ins Hirn und die tropfenähnliche Blütengestalt, die auch mit einer Träne gleichgesetzt wurde, war laut Signaturenlehre ein deutlicher Hinweis auf eine Heilwirkung bei Schlagfluss, aber auch bei Augenkrankheiten. Getrocknete Maiglöckchenblüten bildeten den Hauptbestandteil des Niespulvers.
Die bis 20 cm hohe Staude mit grundständigen, elliptischen Blättern und stark und angenehm duftenden grünlichweißen Blüten, die in einer Traube angeordnet sind, ist stark giftig. Sie blüht von Mai bis Juni. Die Früchte sind auffallende rote Beeren.
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Signaturenlehre:
Das magische Weltbild ist geprägt durch den Grundsatz der "Sympathie des Alls", dem Gedanken, dass alles mit allem zusammenhängt. Dieser Sympathiegedanke mündet in die Vorstellung, dass Ähnliches Ähnliches bewirkt. Daher kann man von einem Weltbild sprechen, in dem die Welt durch Analogien strukturiert ist und die Dinge nach Ähnlichkeiten aufeinander bezogen werden. Gleichermaßen gilt auch das Prinzip des Gegensatzes. Beide Prinzipien spielen in den Zauber- und Segenssprüchen und in ihren Heilanweisungen eine Rolle.
Die schon in vorgeschichtlicher Zeit und in der Antike verbreitete Lehre, aus äußerlichen Eigenschaften wie Form und Farbe auf die Heilwirkung von Pflanzen zu schließen, wurde im 16. Jh. u. a. von dem berühmten Arzt Paracelsus (1493-1541)
weiterentwickelt. Zitat: "Also die Siegwurz, hat Geflecht um sich wie ein Panzer. Das ist auch ein magisch Zeichen und Bedeutung, daß sie behüt vor Waffen wie ein Panzer."
Laut Signaturenlehre mit ihren analogen Schlussfolgerungen konnte das Schöllkraut auf Grund seiner gelben Blüten und des ebenfalls gelben Pflanzensaftes bei Gallenleiden oder das Leberblümchen wegen der leberförmigen Blätter bei Leberbeschwerden einsetzt werden.
Roger Kalbermatten führt in seinem Buch "Wesen und Signatur der Heilpflanzen: Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft"(Aarau, 2002) 45 Kräuter auf, von denen die meisten noch heute von uns wegen ihrer nachgewiesenen Heilkraft hoch geschätzt werden.
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AbwehrkräuterAlant, Baldrian, Beifuß, Brennessel, Dachwurz, Dill, Dost, Immergrün, Knoblauch, Quendel, Salbei, Weinraute
Knoblauch (Allium sativum):
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Der Knoblauch galt wegen seines starken Geruchs schon im Altertum als Unheil abwehrende Zauberpflanze. Er sollte vor dem "Behexen" schützen und hieb- und stichfest machen. Der Glaube, Knoblauch ziehe das Böse an, entstand, weil sich eine aufgehängte Zehe mit der Zeit schwarz verfärbt
Vielfach wurde die Pflanze im Viehzauber verwendet. Man gab sie dem Vieh zu fressen, hängte sie über der Stalltür auf oder bestrich am Abend des 30. April (Walpurgis) damit die Stalltüren.
Bei vielen Völkern galt der Knoblauch als antidämonisch, so zum Beispiel als Mittel gegen den "bösen Blick."
Der Knoblauch ist eine ausdauernde, bis 70 cm hohe Zwiebelpflanze. Die verhältnismäßig kleine Hauptzwiebel ist von einer Anzahl fast gleich großer Tochterzwiebeln umgeben, mit denen sie in weiße, häutige Schalen eingeschlossen ist.
Der ca. 1 Meter hohe Blütenschaft ist etwa bis zur Mitte beblättert. Die Scheindolde wird von einer sehr langen, geschnäbelten Hülle umgeben, die sich beim Aufblühen öffnet und später abfällt. Wenige langgestielte Blüten stehen zwischen bis zu 1 cm großen Brutzwiebeln.
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