Der "Spökenbrunnen" in Penzlin

Die Spezifik des Museums Alte Burg als kulturgeschichtliches Fachmuseum für Hexenverfolgungen und Alltagsmagie in Mecklenburg spiegelt sich auch im äußeren Erscheinungsbild der Stadt wider. Auf dem völlig neu gestalteten Markt steht ein Spökenbrunnen, ein Wasserspender besonderer Art. Das Werk entwarf und realisierte der Warener Künstler Walther Preik.

Die magische Verwandlungswelt ist bewegt und veränderlich. Sie zeigt Silhouetten, die ineinander übergehen und fordert daher auch Materialien, die sich schmelzen und gießen lassen. Tierverwandlungssilhouetten wollen bewußt Unklarheit und Vieldeutigkeit erzeugen. Sie lassen Vermutungen Raum, um daraus den Genuß einer schrittweisen Enträtselung einer reichen Symbolik erwachsen zu lassen. Die 4 m hohe Bronze-Stele wurde im brandenburgischen Kyritz gegossen. Auf ihr sind Fabelwesen zu sehen. Ein Hirsch mit riesigem Geweih weist einen Drachenkörper und Flügel auf. Eine geflügelte Frau mit Eselskörper hält verschmitzt die Hand vor den Mund und erinnert so an das Hexentreiben, das zu Walpurgis auf der Alten Burg zu erleben ist. Auch zeigt die Stele den Vogel Greif mit Schiffskörper und Fledermausflügeln. Als Signatur des Künstlers Walther Preik gilt jene Gallionsfigur, die als Selbstportrait gesehen werden kann. Am unteren Ende der Stele sind Krebsschwänze eingearbeitet, aus denen in den warmen Monaten erfrischendes Nass sprudelt: mal als Rinnsal, mal tröpfchenweise, unkontrolliert eben, geradezu spökenhaft. Der Penzliner Spökenbrunnen am Markt schützt nicht nur die Stadt und ihre Besucher vor dem bösem Durst. Er trägt zweifelsohne zur Attraktivität der Stadt bei.